Silent Night, Deadly Night

Silent Night, Deadly Night

Horror

USA 1984 E 95min

 

Im zarten Alter von acht Jahren musste der kleine Billy mit ansehen, wie ein als Weihnachtmann kostümierter Psychopath seine Eltern ermordete. Der Vorfall hinterlässt ein schweres Trauma und Billy hegt seitdem tiefe Abneigungen gegen den Feiertag und vor allem gegen Weihnachtsmänner. 13 Jahre später soll der mittlerweile erwachsende Billy (Robert Brian Wilson) in einem Spielwarengeschäft ausgerechnet als Weihnachtsmann aushelfen. Seine verdrängten Kindheitserinnerungen kommen wieder hoch und er tauscht die Rute gegen ein scharfes Beil.

Der Film erhebt sich deutlich von anderen seiner Slasher Kollegen, einerseits natürlich weil er zu Weihnachten, einen universell heilig gefeierten Tag stattfindet, was die Macher für die Vermarktung brauchten, da schon viele Slasher so ziemlich jeden Themen-/Feiertag (Valentinstag, Geburtstag, Abschlussnacht) filmisch thematisiert hatten. Andererseits durch seine plausible Charakterzeichnung, die so intensiv selten in Slashern vorkommen. Dies mag zwar nicht auf die Opfer zutreffen, aber auf Billy. Seine Backround-Story ist sehr plausibel und kann bei erstmaliger Sichtung schon deprimierend sein. Und darum ist der Film auch so klasse, ein Film der mit seiner makaberen Art, gespickter Ironie und natürlich durch seine Grundidee an Weihnachten zu spielen länger nachhallt. Er ist zwar von seiner Umsetzung her ein typischer 80iger Jahre Slasher, der aber aufgrund von Billys verstörenden Werdegang und der “Entweihung” des Weihnachtsmannes mehr Substanz bietet, allen voran weil er auch ernste Themen wie Kindesmisshandlung mit anspricht.

Die gesamte Handlung des Films ist aufgrund der psychologischen Finesse deshalb den Meisten anderen Slashern überlegen, da die Entwicklung und Beweggründe des Killers fokussiert werden, anstelle diese schnell 08/15 abzukurbeln und sich primär auf das Aufzeigen von Kills zu beschränken (wobei dieser Streifen eine der legendärsten Todesszenen der Filmgeschichte aufweisen kann, ich sage nur “Hirschgeweih”). Bei “Silent Night Deadly Night” beschäftigt man sich die erste Filmhälfte mit den Aufzeigen der Entwicklung Billys und drosselt das dämliche Teenie Gehampel auf das nötigste.

Überhaupt ist dieser Film sehr gut durchdacht, unabhängig der Kills oder des seelischen Martyriums. Die Verantwortlichen haben sich Gedanken gemacht, dass Ganze spannend zu gestalten anstelle einen X-Beliebigen Slasher von der Leine zu lassen (dies trifft eher auf den Remake zu). Was kann alles passieren wenn wirklich jemand am 24.12. durchdreht und als Santa Mordzug macht? Wie schwer ist es einen verkleideten Santa am 24. dingfest zu machen, wo so viele davon Unterwegs sind, allein schon die ganzen Daddy’s die für Ihre kleinen einen auf Santa machen. Das Grundszenario ist sehr realistisch genauso wie die Morde, die in der Regel nicht überzogen daherkommen. Billy ist keine übernatürliche Figur, die mit “Superkräften” alles zermatscht was den Weg kreuzt und der ewiglich unsterblich ist. Zwar ist Billy recht muskulös geraten und es gibt eine Sequenz wo er jemanden auch nur mit einen Arm hochhebt, diese kleinen Sequenzen sind jedoch so typisch für 80iger Jahre Slasherfilme, werten den Film in seiner Gesamtheit aber nicht ab. Der Fokus ist auf einen Teenager den die fehlgeleitete Vergangenheitsbewältigung und die Vergangenheit selbst einholt, den die Sicherungen durchbrennen und der das Weltbild weitergibt was er erfahren hat. Trotz seiner blutigen Taten an seinen unartigen Opfern ist und bleibt Billy die grosse bemitleidenswerte tragische Figur, die sich deutlich aus den zu beurteilenden Richtwerten zwischen Gut und Böse abzeichnet.