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Everything Beautiful is Far Away

Fantasy / Sci-Fi

USA 2017 E/d 91min

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Auf einem fast menschenleeren Wüstenplaneten sucht Lernert (Joseph Cross) nach Ersatzteilen für seinen Roboter. Rola (Julia Garner) trifft den einsamen Wanderer. Sie ist auf der Suche nach einem mythischen Frischwassersee und die beiden schliessen sich zusammen.

"Everything Beautiful is Far Away" handelt von einem Mann namens Lernert der durch die Wüste wandert, weil er die Stadt und alle Menschen in der Wüste nicht mag. Er trägt den Kopf eines Roboters, den er mit Namen Susan programmiert hat. Der Rest ihres Körpers wurde von der Wüste zerstört, und jetzt ist nur noch ihr Kopf übrig, aber auch die Batterien sind leer. Eines Tages entdeckt er eine Frau, die im Sand liegt. Zunächst will sie nichts mit ihm zu tun haben, doch bald beschliesst sie, mit Lernert zusammen zu wandern. Die Frau heisst Rola. Von dem Moment an, an dem sie ankommt, ist klar, dass es sich bei diesem Film tatsächlich darum handelt, wie einsam es draussen ist und wie es ist, jemanden zu finden, der tatsächlich etwas für einen bedeutet und sich genug darum kümmert, in dessen Nähe zu sein, egal wie schwer das auch sein mag. So einfach ist das.

Auffallend in diesem Film ist die total verrückte, amüsante Musik des Komponisten Alan Palomo. Es ist eine Art Electro-Score mit allen Arten von funky Pieptönen und Synthesizer-Sounds und anderen Dingen. Wenn man es das erste Mal hört, scheint es einem unpassend, aber da es den ganzen Film lang spielt, erhöht es die surreale Atmosphäre der gesamten Geschichte. Dies ist einer dieser Science-Fiction-Filme, bei denen die Sci-Fi-Elemente sehr vage sind, aber die Partitur erinnert einen daran, dass dieser Sci-Fi-Winkel als Teil des grösseren Konzepts verwendet wird, um eine Geschichte zu erzählen, die sich hoffentlich mit den Zuschauern emotional verbinden sollte. Es geht nicht wirklich darum, "Sci-Fi" zu sein, es geht um die Charaktere und was sie gemeinsam durchmachen.

Unter der Regie von Pete Ohs & Andrea Sisson gibt es eine wunderbare Einfachheit für alles, was schön weit weg ist, was dazu beiträgt, dass es sich als filmisches Feature noch reizvoller anfühlt. Man schätzt die Originalität und den Ehrgeiz sehr, sie sind absolut zuversichtlich, was sie hier tun, und sie tun es mit Eleganz. Dieser Film ist eine einzigartige Kreation und ein eigenartiges kleines Indie-Juwel. Während einige davon zu funky sein können, sind die meisten charmant und amüsant. Diese Art von einzigartigen Filmen macht einen glücklich, von Menschen gemacht, die leidenschaftlich gerne eine Geschichte erzählen, die ihnen sehr am Herzen liegt, in der Hoffnung, dass auch andere damit in Verbindung treten.

 

 

Piercing

Thriller

USA 2018 E/d 82min

Ein Mann (Christopher Abbott) verabschiedet sich mit einem Kuss von seiner Ehefrau und dem neugeborenen Baby, nur um kurz danach in einem Hotelzimmer einzuchecken und eine Prostituierte auf sein Zimmer zu bestellen. Er will die ahnungslose Frau umbringen, um seinem Drang zu töten, nachzugeben. Er hat alles genau geplant und vorher geprobt und weiss daher, wie es ablaufen soll. Doch als das verführerische und mysteriöse Callgirl Jackie (Mia Wasikowska) den Raum betritt, vereitelt sie sein Vorhaben. Ein Katz-und-Maus-Spiel beginnt, denn Jackie steht dem Mörder in nichts nach.

Selbst wenn Reed sein eigenes Baby in den Händen hält, schwillt in ihm das Verlangen an, einfach zuzustechen. Um sich Erleichterung zu verschaffen, will er einen Businesstrip nach New York nutzen, um dort eine Prostituierte mit einem Eispickel zu ermorden. In seinem Hotelzimmer plant er vorab alles minutiös durch. Er probiert sogar verschiedene Mengen Chloroform an sich selbst aus, um genau bestimmen zu können, wie lange sein Opfer ausgeknockt sein wird. Aber als das Call Girl Jackie dann tatsächlich an die Tür klopft, läuft alles ganz anders als geplant. Denn die junge Frau, die sich erst einmal eine ganze Zeit lang im Badezimmer einsperrt, ist mindestens genauso abgefuckt wie ihr potentieller Killer.

Das Geräusch der sich durch Knochen schneidenden Klaviersaite lässt einen auch 20 Jahre nach Takashi Miikes „Audition“ einfach nicht los. Die Geschichte der jungen, unschuldig aussehenden Schauspielerin Asami (Eihi Shiina), die sich im Verlauf des Films als geisteskranke Serienkillerin entpuppt, ist zugleich ein abgefuckter Höllentrip und doch auch auf eine abgründige Weise sehr berührend. Dass Nicolas Pesce „abgefuckt“ ebenfalls perfekt beherrscht, hat der New Yorker Drehbuchautor und Regisseur bereits mit seinem Schwarz-Weiss-Debüt „The Eyes Of My Mother“ bewiesen. Darin kommt eine junge Frau durch den Killer ihrer Mutter, der seit vielen Jahren in der Scheune eingesperrt vor sich hinvegetiert, selbst auf den Geschmack am (Serien-)Morden. Dass sich Pesce nun für seinen zweiten Film „Piercing“ den gleichnamigen Roman von „Audition“-Autor Ryû Murakami vorgeknöpft hat, erscheint da also nur passend und logisch.

 

Fazit: „Piercing“ ist zugleich stylischer Fetisch-Thriller und eine der wohl abgefucktesten romantischen Komödien aller Zeiten.

filmstarts.de

 

 

Jonathan

Drama / Sci-Fi

USA 2018 E/d 101min

Die Zwillingbrüder John und Jonathan (Ansel Elgort in einer Doppelrolle) beschliessen, sich niemals zu verlieben und keine Beziehungen einzugehen. Während sich Jonathan in seine Arbeit als erfolgreicher Architekt stürzt, verbringt John viel Zeit im Bett und im Internet. In den sozialen Netzwerken lernt John eines Tages eine Frau kennen und verliebt sich in sie. Jonathan bringt seinen Bruder dazu die Beziehung aufzugeben, fängt dann aber selbst eine Affäre mit Johns grosser Liebe an.

„Wunderkind“ Jonathan arbeitet halbtags in einem Architekturbüro. Die andere Hälfte des Tages kümmert er sich um einen kranken Verwandten – das sagt er zumindest, denn in Wirklichkeit trägt er ein Geheimnis mit sich herum: Er teilt sich seinen Körper mit John, seinem Bruder. John besitzt bei weitem nicht so viel Talent wie Jonathan, aber die enge Bindung zwischen den beiden hat das bislang nicht erschüttert. Mithilfe eines hinter dem Ohr installierten Time-Splitters können die Brüder den Aufenthalt in ihrem Körper aufteilen. Ist der eine wach, kann er über den Körper verfügen, während der andere schläft. Damit ihre geteilte Existenz möglich reibungslos verläuft, haben John und Jonathan gewisse Regeln aufgestellt: Sie dürfen keine emotionale Bindung zu Fremden eingehen, keine Freundinnen haben und müssen einander jeden Tag via Videobotschaft davon berichten, was sie während ihrer Wachphase getan haben. Doch als John eines Tages die sympathische Bardame Elena (Suki Waterhouse) kennenlernt, möchte er die Beziehung zu der jungen Frau festigen, was sein Verhältnis zu Jonathan unweigerlich komplizierter macht.

Wenn sich der eine Bruder schlafen legt und der andere den aktiven Part übernimmt, genügt Bill Oliver zur Veranschaulichung nur eine simple Schwarzblende, damit der Zuschauer weiss, dass gerade ein Bewusstseinstausch stattgefunden hat. Damit man diesen kurzen Moment nicht versäumt, ist es wichtig, in „Jonathan“ gut aufzupassen, denn das zurückhaltende Spiel von Ansel Elgort („Baby Driver“) gibt nicht zwingend Aufschluss darüber, ob er nun gerade John oder Jonathan verkörpert. Das ist natürlich nur richtig so, wenn man bedenkt, dass sich die Brüder darauf verständigt haben, in der Öffentlichkeit möglichst identisch auftreten zu wollen. Aber auch in den eigenen vier Wänden unterscheiden sich die Gewohnheiten der sich ihren Körper teilenden jungen Männer kaum. Sogar die Videobotschaften, die John und Jonathan jeden Tag für den jeweils anderen aufnehmen, um einander ähnlich wie in dem Anime-Hit „Your Name.“ auf den aktuellen Stand zu bringen, wirken, als würden sie lediglich von einer einzigen Person vorgetragen. Das Verhalten der Brüder hat sich inzwischen also wirklich bis in die kleinste Nuance angeglichen.

 

Fazit: Das Science-Fiction-Drama „Jonathan“ über zwei Brüder, die sich einen Körper teilen, eröffnet vielfältige Diskussionsebenen, die einen bemerkenswert persönlichen Blickwinkel auf eine eigentlich bekannte Genre-Prämisse zulassen.

 

filmstarts.de

 

 

Ruben Brandt, Collector

Animation

Ungarn 2018 E/d 96min

Der bekannte Psychotherapeut Ruben Brandt sieht sich gezwungen, 13 Kunstwerke zu entwenden, die zu den renommiertesten der Welt zählen, um die schrecklichen Albträume loszuwerden, die ihn verfolgen. Begleitet von vier seiner Patienten und seinem herausragenden Team, geht er auf Raubzug im Louvre, in der Tate Gallery, im MoMA und im Hermitage-Museum und wird zum berühmtesten Dieb der Welt. Ihm auf den Fersen sind die Polizei ebenso wie Gangster und Kopfjäger, die auf die 100-Millionen-Dollar-Prämie für seine Verhaftung aus sind. Doch Brandt sieht sich vor allem einem ebenbürtigen Gegner gegenüber: Mike Kowalski, einem Privatdetektiv, den die Versicherungsfirmen engagiert haben. Der Film ist eine Hommage an unterschiedliche Malstile, erzählt mit einem Augenzwinkern, was die Psychoanalyse anbelangt.

Zu Hause in seinem luxuriösen Anwesen ist der Psychotherapeut Brandt (Stimme von Iván Kamarás) von lebhaften Alpträumen heimgesucht, in denen ihn Figuren berühmter Gemälde verfolgen. Um die schlechten Träume zu stoppen, schickt Brandt ein Team agiler Diebe, angeführt von einem Parkour-Stuntdouble namens Mimi (Gabriella Hámori), um die beleidigenden Kunstwerke aus Museen auf der ganzen Welt zu stehlen, um seine Wände zu schmücken. Es liegt an Detective Mike Kowalski (Csaba Márton), sie aufzuhalten.

Die Handlung ist eine Entschuldigung für Regisseur Krstic und sein Produktionsteam, um so viele bildnerische und filmische Zitate wie möglich in die Verfolgungsjagd zu packen, sowie einen Hauch von Sex. Brandt, Mimi, Kowalski und der Rest der Charaktere zeigen vage kubistische Physiognomien. Velázquez 'Las Meninas, Warhols Double Elvis und Manets Olympia, neben vielen anderen Hommagen an Eisenstein, Polanski, Coppola und Hitchcock (er erscheint in Cameo als Eiswürfel). Besondere Anerkennung ferdienen die Produktionsentwürfe von Marcell Laszlo. Die klassischen musikalischen Akzente in der Musik von Tibor Cári sind ebenso üppig.

Ein engagierter Kunstliebhaber, der auf unbeschwerten Spass steht, kann Ruben Brandt zwei- oder dreimal anschauen, um alle vorbeiziehenden Riffs zu fangen. Endlos referenziell, mit ununterbrochener Spionagefilmaktion und Auffrischungskurs der Eurokultur, ist Krstics künstlerisches Kapriolenbild eindeutig eine hochkarätige Liebesarbeit. Sehr zu empfehlen.

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