Aktuell

Love is Blind

Drama

USA 2019 E/d 89min

 

Ein junges Mädchen kann ihre Mutter buchstäblich nicht mehr hören oder sehen und das, obwohl sie mit ihr unter einem Dach lebt. Mithilfe eines exzentrischen Psychiaters und eines zufälligen Helden vor Ort, muss sie nun erwachsen werden, stattdessen verliebt sie sich und nimmt ihre Zukunft in die eigene Hand – obwohl sie nicht in der Lage ist, zu sehen, was direkt vor ihr liegt.

filmstarts.de

 

 

Color out of Space

Sci-Fi / Thriller / Horror

USA 2019 E/d 114min

Verfilmung der Sci-Fi-Kurzgeschichte „Color Out of Space“ von H.P. Lovecraft. Im Mittelpunkt steht die Familie Gardner, die auf eine abgelegene Farm in New England zieht, um so dem Trubel des 21. Jahrhunderts zu entkommen. Mit dem Umzug und dem Aufbau eines neuen Lebens haben sie bereits alle Hände voll zu tun, doch dann stürzt auch noch ein Meteorit auf ihrem Grundstück ab. Dieser bohrt sich in die Erde und rund um das Gestein nimmt das Leben plötzlich seltsame Farben an. Doch damit nicht genug: Jede Lebensform, die mit dem Meteoriten in Berührung kommt, mutiert… so auch die Familienmitglieder selbst.

Die Familie Gardner lebt mitten im Wald in ihrem Einfamilienhaus. Mutter Theresa (Joely Richardson) erledigt Börsengeschäfte übers Internet, Vater Nathan (Nicolas Cage) kümmert sich um eine kleine Herde von Alpakas und die drei Kinder Lavinia (Madeleine Arthur), Jack (Julian Hilliard) und Benny (Brendan Meyer) gehen ihren eigenen Interessen nach. Das ruhige Leben wird jäh gestört, als eines Abends ein Meteorit auf dem Grundstück der Gardners einschlägt.

Das Gestein aus den Weiten des Alls schimmert lila und gibt einen ungewöhnlichen Geruch von sich. Schon bald häufen sich die seltsamen Vorkommnisse um die Einschlagstelle. Es wachsen neuartige Blumen, mit dem Wasser scheint nicht mehr alles in Ordnung zu sein und der Familienhund beginnt sich komisch zu benehmen. Doch dies ist erst ein Vorgeschmack auf den Wahnsinn, den die Gardners in den kommenden Tagen erleben werden. Ein unaussprechlicher Albtraum beginnt.

Richard Stanley schickt in seiner H.P.-Lovecraft-Adaption eine Familie um Nicolas Cage auf einen absoluten Horror-Trip, der in der letzten halben Stunde so richtig abgefahren wird. Der Film wirkt zwischendurch wie eine Mischung aus The Thing und Annihilation, doch dank einigen Lachern und dem halluzinogenen Bilderrausch muss Stanley den Vergleich nicht scheuen. Zwar bangt man nicht wirklich mit den Figuren mit, doch geht es hier in erster Linie nicht darum, wem hier was wiederfährt, sondern was für schräge Sachen sich Regisseur Stanley ausgedacht hat. Das funktioniert für zwei recht kurzweilige Stunden.

outnow.ch

 

 

The Nightingale

Thriller / Drama

Australien 2018 E/d 131min

 

Anfang des 19. Jahrhunderts lebt die Irin Clare (Aisling Franciosi) nach ihrer Verurteilung als nahezu Rechtlose in der britischen Strafkolonie Van Diemen's Land, dem heutigen Tasmanien. Mit ihrem Ehemann Eddie (Charlie Shotwell) hat sie eine gemeinsame Tochter und hofft darauf, dass der englische Leutnant Hawkins (Sam Claflin) ihr bald die Freiheit gewährt. Hawkins begehrt Clare allerdings viel zu sehr als seine „singende Nachtigall“ und will sie trotz Versprechungen im Gegenzug für sexuelle Gefälligkeiten nicht gehen lassen. Nachdem der Leutnant deswegen mit Eddie aneinandergerät und dadurch um seine eigene Beförderung gebracht wird, töten er und seine Kumpane kurzerhand Mann und Baby-Tochter und vergewaltigen die hilflose Clare anschliessend gemeinsam. Traumatisiert und besessen von Rache verfolgt Clare die Offiziere mit der Unterstützung des fährtenlesenden Aborigines Billy (Baykali Ganambarr) in den wilden Busch Australiens und gerät so in dem gnadenlosen Konflikt zwischen den vertriebenen Ureinwohnern und weissen Siedlern zwischen die Fronten.

Drei brutale Vergewaltigungen und zwei nicht minder grausame Morde, einer davon an einem Baby, das einfach gegen die Wand geklatscht wird. Die Australierin Jennifer Kent macht in ihrem zweiten Spielfilm nach ihrem aufsehenerregenden Debüt „The Babadook“ schon in der ersten halben Stunde mehr als deutlich, dass der Zuschauer hier Zeuge dunkler und abgründiger Zeiten wird, die sein modernes Gerechtigkeitsempfinden und seine moralischen Vorstellungen bis aufs Äusserste strapazieren (sollen). Bei einer Vorstellung von „The Nightingale“ beim Sydney Film Festival verliess eine Zuschauerin wütend den Saal mit den Worten: „Ich schaue mir das nicht mehr an. Sie wurde doch schon zwei Mal vergewaltigt.“ Die Reaktion ist ohne Frage nachvollziehbar...

... aber wirklich gerecht wird sie „The Nightingale“ trotzdem nicht. Nach der ersten halben Stunde könnte man zwar durchaus noch zu dem Ergebnis kommen, Jennifer Kent würde hier einfach nur eine weibliche Version einer Charles-Bronson-Rachefantasie inszenieren, quasi ein historisches „Eine Frau sieht rot“. Aber am Ende ist „The Nightingale“ doch so viel mehr, nämlich ein nach „The Babadook“ erneut grossartig inszenierter Psycho-Horror und direkt in die Eingeweide fahrendes Historien-Drama vor dem Hintergrund eines düsteren und fast vergessenen Kapitels britischer Kolonialgeschichte.

Fazit: „The Nightingale“ ist ein beklemmendes und nie selbstzweckhaft-brutales Historien-Drama mit schockierenden Horroreinschüben und drei herausragenden Hauptdarstellern. Dass der Film längst nicht so eingeschlagen ist wie Jennifer Kents Erstling „Der Babadook“ dürfte deshalb auch damit zu tun haben, dass ihr Nachfolger einfach noch schwerer zu schlucken ist und den Zuschauer mehr als nur einmal voll in die Magengrube trifft.

filmstarts.de

 

 

I think we're alone now

Sci-Fi

USA 2018 E/d 93min

Del (Peter Dinklage) glaubt, er sei der einzige Überlebende der Apokalypse. Seine Zeit vertreibt er sich damit, all die Leichen in seiner Kleinstadt Haus für Haus zu begraben. Ausserdem legt er grossen Wert darauf, die Stadtbibliothek wieder zu vervollständigen – und so sammelt er all die Bücher wieder ein, die sich die Leute noch vor dem Jüngsten Gericht ausgeliehen und somit nie wieder zurückgebracht haben. Dels Alltag ist von Ruhe und Routine geprägt, was ihm eigentlich auch sehr gut so gefällt. Aber dann wird sein Einsiedlerleben gehörig auf den Kopf gestellt, als eines Tages plötzlich die junge Grace (Elle Fanning) auftaucht. Offenbar ist Del doch nicht der letzte Mensch auf Erden. Aber woher kommt die geheimnisvolle Frau überhaupt? Und was will sie ausgerechnet von ihm?

Alleinsein heisst nicht automatisch, einsam zu sein. Eine nicht ganz neue Erkenntnis, die Mike Makowsky in seinem Skript zum Endzeit-Drama „I Think We’re Alone Now“ aber auf interessante Weise neu durchdekliniert. Denn obwohl der Protagonist nach einem nicht weiter ausgeführten apokalyptischen Vorfall ganz allein ist, fühlt er sich nicht einsam, sondern erfüllter als je zuvor. Vorher hatte er das Gefühl, in der Masse unterzugehen und nicht dazuzugehören. Nun ist sein Platz ganz klar, als einziger verbliebener Bewohner einer leergefegten Kleinstadt. Eine vielversprechende Prämisse.

Die in Endzeitwerken häufig zum Einsatz kommenden weiten Panoramaansichten auf eine verlassene, zerstörte Welt sucht man hier grösstenteils vergebens. Stattdessen sind wir meist ganz nah dran, wenn es sich der zynisch gewordene Del in seiner Einsamkeit bequem einrichtet. Del hat offenbar endlich seinen Platz gefunden – und zwar ausgerechnet in einer postapokalyptischen Welt. Die Ursache der Katastrophe spielt da gar keine Rolle und wird deshalb auch nicht weiter ausgeführt. Trotz des ungewöhnlichen erzählerischen Ansatzes ist es am Ende aber gar nicht mal das Skript, das den grössten Teil zum Gelingen des Films beiträgt. Vielmehr hat Morano auf dem Sundance Festival 2018 nicht von ungefähr für „I Think We`re Alone Now“ den Regiepreis gewonnen. Ihre langjährige Erfahrung als Kamerafrau sowie ihr Gespür für Bildkomposition und Lichtsetzung werten jede Einstellung des Films massgeblich auf. Die 41-Jährige versteht, wie sie die Verlassenheit ihrer Protagonisten visuell herausstellt. Die überlegt gewählten Bilder, die Del und Grace fast immer nur allein und ganz selten gemeinsam zeigen, sind je nach angepeilter Emotion per Hand, mit einer stoisch ruhigen Kamerafahrt oder gleich ganz statisch gefilmt.

filmstarts.de

 

 

Judy & Punch

Komödie / Drama

Australien 2019 E/d 105min

Irgendwo am Meer versucht das Puppenspielerpärchen Judy (Mia Wasikowska) und Punch (Damon Herriman), ihre Marionettenshow am Rande einer anarchischen Mob-Herrschaft wiederzubeleben. Als Punch versehentlich sein Baby während eines Alkoholrauschs tötet, tut sich seine Frau mit einer Gruppe verstossener Ketzer zusammen, um sich an Punch und der ganzen Stadt zu rächen.

Nicht nur der Name des von Land umgebenen Ortes Seaside ist skurril. Auch die obsessive Beobachtung aller weiblichen Bewohner und deren Verfolgung als mögliche Hexen bewegen sich auf dünner Linie zwischen tragisch und absurd. Dorthin kehrt das Marionettenspielerpaar Judy und Punch mit ihrem neugeborenen Baby zurück. In einem quasi historischen Setting eingebettet nimmt das Paar Anleihen bei den klassischen englischen Handpuppen, die traditionellerweise die Hauptfiguren im Kasperletheater darstellen. Wie sein Vorbild ist auch Punch ein versoffener, prügelnder Schürzenjäger, der sich gerne mit dem Können seiner Frau brüstet. Eines Tages, mit der Verantwortung für den Nachwuchs allein zurückgelassen, offenbart sich die volle Boshaftigkeit seines Charakters. Zeit für Judy, sich zu emanzipieren und Rache zu üben.