Suspiria

Suspiria

Horror

Italien / USA 2018 E/d 152min

Berlin im Jahre 1977: Der Terror der RAF erschüttert das geteilte Deutschland. Die junge Amerikanerin Susie Bannion (Dakota Johnson) reist in die Stadt, um sich in der berühmten Ballettschule Marcos Dance Academy einzuschreiben. Schulleiterin Madame Blanc (Tilda Swinton) erkennt ihr natürliches Talent sofort. Doch irgendetwas geht hier nicht mit rechten Dingen zu. Susies Platz ist nur frei geworden, weil ihre Vorgängerin Patrica (Chloë Grace Moretz) spurlos verschwunden ist. Zuletzt gesehen hat sie der alternde Witwer und Psychotherapeut Dr. Josef Klemperer (ebenfalls Tilda Swinton mit Penis-Prothese). Schritt für Schritt offenbart sich ein düsteres Geheimnis.

Wirklich gruselig ist Guadagninos Horrorfilm nur selten, über lange Strecken ist „Suspiria“ eher ein finsteres Drama. Auf klassische Jump-Scares wird zum Glück weitestgehend verzichtet. Stattdessen wird eine bedrückende Grundstimmung aufgebaut. Auf den Strassen herrscht Terror, in den Köpfen auch. Alle Fernseh- und Radiosender berichten von der Entführung des Flugzeugs Landshut durch palästinensische Geiselnehmer. In einer Strasse in der Nähe von Susies Wohnheim explodiert eine Bombe. Die junge Tänzerin wird von Albträumen heimgesucht, die sich aus anfangs schwer greifbaren Schreckensbildern zusammensetzen. Die biedere Farbpalette trägt zur deprimierenden Atmosphäre bei. Die Bundesrepublik sah selten trostloser aus.

Auch die Regie von Guadagnino trägt dazu bei. Der Italiener wählt wie so oft eine distanzierte, etwas unterkühlte Perspektive auf das Geschehen. Das passt zu seiner Version von „Suspiria“ und der Kälte des „Deutschen Herbst“. Ausserdem werden so die dynamischeren Einstellungen, die mehr Bewegung enthalten oder unmittelbar die Perspektive einer Figur annehmen, besonders hervorgehoben. Bis auf wenige Ausnahmen kommen solche immer nur dann vor, wenn gerade Tanz und/oder Gewalt gezeigt werden. Der Kontrast zwischen dem sonst so bedächtigen Erzählen und diesen Spitzen macht sie besonders effektiv. Auch das schrille, kratzende und dröhnende Sounddesign tut sein Übriges.

Fazit: Luca Guadagnino präsentiert mit „Suspiria” einen recht verkopften Horrorfilm. Viele Szenen und Ideen sind bemerkenswert, sie werden lange in Erinnerung bleiben. Dasselbe gilt für die Schauspieler. Wie eine Marionette wird der Zuschauer zu genau den Ideen gezogen, die den Regisseur reizen.

 filmstarts.de

 

 

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