Holiday

Holiday

Drama

Dänemark / Niederlande / Schweden 2018 Dänisch/d 90min

Für eine junge Frau wird ein Urlaub an der türkischen Riviera, den sie zusammen mit ihrem Gangster-Lover verbringt, zu einem Höllentrip, an dessen Ende sie vor einer Entscheidung steht.

Ganz verloren steht sie am Anfang in den grossen und leeren Hallen des Flughafens von Bodrum, diese sehr junge, sehr dünne, sehr langbeinige und sehr blonde junge Frau, die in manchen Momenten später im Film fast noch wie ein Kind erscheint. Sascha (Victoria Carmen Sonne) ist hierher geflogen, um gemeinsam mit ihrem Freund Michael (Lai Yde) einige entspannte Tage an der türkischen Riviera zu verbringen, gemeinsam mit einigen Freunden von Michael, der mit undurchsichtigen bis illegalen Transaktionen (vermutlich Drogen, aber so genau weiss man das nicht) das grosse Geld verdient.

Sascha weiss das alles nicht so genau, wozu auch, sie ist schliesslich nur die Gespielin, ein „trophy girl“ von der Art, mit der sich alte, reiche und mächtige Männer gerne umgeben, um zu zeigen, was sie sich neben anderen Luxusgütern leisten können. Und die sehr naive Sascha macht dieses Spiel mit, lässt sich benutzen, demütigen, dann wieder mit teurem Schmuck beschenken und fragt nicht viel. Weil sie (anscheinend) genau dieses Leben will.

Bei Michael aber liegen wegen eines bevorstehenden grossen Deals die Nerven blank – und das lässt er nicht nur an seinen Freunden aus, die wohl viel eher untergebene Komplizen sind, sondern vor allem und immer wieder an Sascha. Als diese den niederländischen Aussteiger Thomas (Thijs Romer) kennenlernt und ihm immer wieder begegnet, erwacht Michaels Eifersucht – und die wird schliesslich schlimme Folgen haben, wenngleich ganz anders, als man dies zunächst zu wissen glaubt.

Isabella Eklöfs in Sundance ausgezeichnetes Spielfilmdebüt Holiday ist ein Film ohne Moral, ohne nennenswerte Sympathieträger und beinahe auch ein Film ohne Story. Welche Geschäfte Michael genau betreibt, kann man allenfalls erahnen. Welche Rolle die anwesenden Freunde spielen, bleibt im Dunkeln – zumal sie eher wie eine Ansammlung leicht asozialer Proleten denn wie richtige Gangster wirken. Was Sascha denkt, fühlt, will, wo sie herkommt und wo sie hinwill – all dies verschleiert Holiday, überdeckt es mit knalligen Farben und stilisierten Bildern, über denen aller sommerlichen Leichtigkeit zum Trotz etwas zutiefst Morbides und Abgefucktes liegt. Holiday sieht ein wenig so aus, als hätten Nicolas Winding Refn und Terry Richardson die Bildsprache der Hochglanzwerbung bewusst auf die Spitze getrieben – The Neon Demon trifft auf porn chic. Es ist die reine Oberfläche und ultrakapitalistische Oberflächlichkeit, unter denen zwar abgrundtiefe Gefühle brodeln, die aber kaum je zum Vorschein kommen. Und wenn sie es doch tun, entladen sie sich in Gewalt, Sex, Erniedrigung und vollkommener Verdinglichung des menschlichen Gegenüber. Es ist eine abgrundtief hässliche Welt im schicken Gewand, die Eklöf hier vorführt.

kino-zeit.de