High Life

Sci-Fi / Drama

Frankreich / Deutschland / Grossbritanien / Polen 2018 E/d 113min

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In den Tiefen des Weltalls, weit entfernt von unserem Sonnensystem, leben Monte (Robert Pattinson) und seine kleine Tochter Willow (Jessie Ross) gemeinsam auf einem ramponierten Raumschiff, dessen Besatzung vor einiger Zeit noch aus vielen verurteilten Schwerverbrechern bestand, die sich mit einer gefährlichen Mission von ihren Strafen freikauften. Mit Experimenten wurden sie von der wahnsinnigen Reproduktionswissenschaftlerin Dibs (Juliette Binoche) gequält, bei denen bis auf Monte und Willow alle ums Leben kamen. Monte ist ein stiller Mann, der sich eine harte Selbstdisziplin auferlegt hat. Doch wenn er mit seiner Tochter zusammen ist, wird aus ihm ein zärtlicher Versorger. Nun sind die beiden die letzten Überlebenden der Crew und nähern sich in völliger Isolation ihrem letzten unausweichlichen Ziel: einem schwarzen Loch und damit auch dem Ende von Zeit und Raum.

Der Film beginnt in einem kastenförmigen Raumschiff, weit weg von der Erde. Der Kontakt ist abgebrochen, nur noch wirre Einzelbilder aus der Heimat flackern über die Bildschirme. Eine Rückkehr ist unwahrscheinlich. An Bord befinden sich lediglich Monte und seine Tochter Willow. Ursprünglich war ein komplettes Team von Strafgefangenen in Richtung eines schwarzen Lochs aufgebrochen, in der Hoffnung, es als Energiequelle nutzbar zu machen. Nach und nach wird offenbart, welches finstere Schicksal den restlichen Crewmitgliedern zugestossen ist – und was die herrschsüchtige Bordärztin Dr. Dibs damit zu tun hat.

Der Film stellt selbst eine Expedition ins Unbekannte dar. Auch mit 70 Jahren sucht Claire Denis immer noch obsessiv nach einer anderen Art von Kino. „High Life“ ist ein ungewöhnlicher und überraschender Film. Eine Herausforderung, die man annehmen sollte - es lohnt sich. Erzählerisch bleibt vieles im Vagen, Figuren und Hintergründe werden kaum erklärt. Selbst wenn man die Grundzüge der Handlung kennt, bleibt ein Gefühl von Desorientierung. Denis erzählt nicht chronologisch, sondern springt durch die Zeit. Die Figuren entwickeln sich meist in Richtung Verfall und Wahnsinn. Grobkörnige Rückblenden, in Polen gedreht, zeigen Episoden auf dem Leben auf der Erde.

Das Raumschiff ist viele Dinge zugleich. Ein trostloses Gefängnis, ein Irrenhaus, ein Versuchslabor, ein fliegender Sarg. Auch eine Black Box, also ein von aussen betrachtet kaum verständliches System. Es gibt karge Schlafquartiere, eine Krankenstation, eine Luftschleuse ins All und einen Garten. Ausserdem eine Maschine, die der Triebabfuhr dient. Eine Art Sex-Box, welche die Sekrete der Benutzer nach der Vollrichtung abfliessen lässt. In einer Szene wird gezeigt, wie die Bordärztin sie benutzt. Es ist ein düsterer Moment des Wahnsinns, ein grotesker Hexentanz. Eindeutig einer der faszinierendsten Momente des Kinojahrs.

Die Menschen an Bord brauchen die Ablenkung, ihr Alltag ist trist und grau. Es wird kaum gespielt oder gesungen, die Beziehungen sind von Feindseligkeit und Misstrauen geprägt. Sexualität bleibt meist mechanisch oder wird gewalttätig. Lediglich die Arbeit im Gemüsegarten bringt einige Momente der Harmonie. Um mit den Auswirkungen von Schwerkraft und Isolation zurechtzukommen, nehmen viele an Bord Pillen. Die werden allerdings nur an jene herausgegeben, die an Dr. Dibs Experimenten teilnehmen. Sie hat sich monomanisch auf die menschliche Fortpflanzung eingeschossen. Hinter ihrem Rücken nennt die Crew sie die „Sperma-Schamanin“. Die meisten sind ihr gefügig, nur der asketische Monte leistet ihr wirklich Widerstand.

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