November

November

Fantasy / Drama

Estland / Niederlande / Polen 2017 Estnisch/d 115min

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Irgendwo in Estland im 19. Jahrhundert: Während ein seniler deutscher Baron (Dieter Laser) zusammen mit seiner Tochter (Jette Loona Hermanis) in einem verfallenden Schloss in Reichtum lebt, kämpfen seine Untertanen täglich ums Überleben. Die Dorfbewohner paktieren für die Beseelung von hilfreichen, aus Haushaltsgegenständen bestehenden Kreaturen (sogenannte „Kratts“) mit dem Teufel, leiden Hunger und müssen sich einer Pestepidemie erwehren. Inmitten der zahlreichen Entbehrungen und der grossen Not entwickelt das Bauernmädchen Liina (Rea Lest) starke Gefühle für den Dorfjungen Hans (Jörgen Liik), der sich jedoch unsterblich in die junge Baronin verliebt hat. Beide würden für ihre grosse Liebe alles tun und greifen schliesslich auf dunkle Magie zurück. Ein fataler Fehler.

 

Der Roman „Rehepapp ehk November“ (deutsche Ausgabe: „Der Scheunenvogt“) des estnischen Autoren Andrus Kivirähk erschien im Jahr 2000 und erlangte mit seinem grotesken Humor und seiner starken Orientierung an baltischen Volksmärchen innerhalb kürzester Zeit vor allem im nordosteuropäischen Raum Kultstatus. Sarnet greift diese Folklore-Elemente in seiner Verfilmung auf und findet starke Bilder für sie.

So wartet der Teufel, der für den Preis einer Menschenseele Wünsche erfüllt und Kratts zum Leben erweckt, in Gestalt eines ergrauten wahnsinnigen Mannes mit künstlich verstellter Stimme mitten im Wald. Die Pest zeigt sich unterdessen zunächst als hellhäutige Schönheit, dann als Ziegenbock. Die Dorfbewohner ziehen sich unterdessen die Hosen über den Kopf, um sich gegen die Krankheit zu wappnen. So soll der Pest Glauben gemacht werden, die Menschen hätten zwei Arschlöcher.

Getragen wird der Film unterdessen von den beiden Jungdarstellern in den Hauptrollen: Während Jörgen Liik als liebestrunkener Bauerntölpel Hans zwar sympathisch wirkt, aber etwas hölzern agiert, brilliert Rea Lest als selbstbestimmte Bauerntochter Liina mit intensivem Spiel. Sie lässt den inneren Widerstreit der Gefühle, der die junge Frau förmlich zerreisst, nicht nur sicht-, sondern auch spürbar werden. Sie ist der emotionale Anker in einer mit absurden Einfällen gespickten und in einer beeindruckenden Fantasiewelt angesiedelten Geschichte.

Diese ganz eigene Welt fasziniert besonders durch ihre Durchlässigkeit: Tote kehren ins Reich der Lebenden zurück, eine junge Frau verwandelt sich bei Vollmond in einen Wolf oder beseelte Metallgebilde fliegen schon einmal, einem Helikopter gleich, eine entflohene Kuh zu ihrem Eigentümer zurück. Das ist übrigens eine herrliche absurde Szene, die allein schon für einige episodisch eingefügte Nebenhandlungen entschädigt, über die Rainer Sarnet hin und wieder die Essenz seiner Erzählung aus dem Fokus verliert.

 

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